Eine 14'000 Jahre alte Lebensgrundlage
Der Boden erfüllt zahlreiche wichtige Aufgaben und Funktionen. Doch die Bodenbildung ist ein sehr langsamer Prozess. Die Bodenbildung begann nach der letzten Eiszeit vor etwa 14'000 Jahren. Daher gilt Boden als praktisch nicht erneuerbare Ressource und verdient einen sorgsamen Umgang. Wie der Bodenschutz bei Bodenarbeiten einfliesst, zeigt eine kleine Zusammenfassung aus der komplexen Welt der Bodenkunde.
Als Boden gilt die oberste Schicht der Erde, in der Pflanzen wachsen können. Er erfüllt zahlreiche wichtige Funktionen für Mensch und Umwelt und dient als Lebensraum für Organismen wie Pflanzen, Pilze, Tiere, usw. Weitere Aufgaben bestehen in der Speicherung von Wasser, Nährstoffen und Kohlenstoff oder in der Filterfunktion für Wasser und Schadstoffe. Zudem bildet er die Grundlage für die landwirtschaftliche Produktion von Nahrungsmitteln und fungiert als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte.
Das zeichnet den gesunden und fruchtbaren Boden aus:
Ein fruchtbarer Boden besteht meist aus mehreren Schichten, hat eine stabile Krümelstruktur und eine gute Durchlüftung. Ein fruchtbarer Boden besteht aus mineralischen Bestandteilen wie Steinen, Kies, Sand, Schluff und Ton sowie aus organischem Material, zum Beispiel in Form von Humus. Zudem befinden sich im Boden Poren, die mit Luft oder Wasser gefüllt sind, sowie aktives Bodenleben.
In einem Liter gesundem Oberboden kommen zig Milliarden Bodenlebewesen vor, darunter Bakterien, Pilze, zahlreiche Insekten und Regenwürmer. Diese Organismen zersetzen abgestorbene Pflanzenreste und tragen zur Bildung von Humus sowie zu einer stabilen Bodenstruktur bei.
Der gewachsene Boden lässt sich meist in drei Hauptschichten unterteilen:
Humusreicher und stark durchwurzelter Oberboden (A-Horizont)
Wasser- und nährstoffspeichernder Unterboden (B-Horizont)
Untergrund wie Fels oder Kies (C-Horizont)
Bodenschutz in der Praxis
Je nach Bodentyp ist die Empfindlichkeit gegenüber Verdichtung unterschiedlich: sandige Böden sind meist weniger empfindlich, während tonreiche Böden besonders leicht verdichten. Werden Arbeiten bei zu nassem Boden ausgeführt, ist die Gefahr von Verdichtungen gross. Dabei wird die Porenstruktur zerstört und Regenwasser kann nicht mehr richtig abfliessen. Eine einfache Methode, um die Feuchtigkeit des Bodens zu messen, ist die Fühlprobe von Hand: trockener Boden zerbröselt beim Zusammendrücken, während nasser Boden formbar ist und an den Fingern klebt. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Messung mit einem Tensiometer, ein Gerät, das die Saugspannung des Bodens misst und daraus die Feuchtigkeit des Bodens ableitet.
Beim Umgang mit Boden gelten verschiedene grundlegende Regeln:
Bodenarbeiten müssen sorgfältig geplant und sollen nur bei trockener Witterung durchgeführt werden.
Baggermatratzen oder Baupisten können als lastverteilende Massnahmen eingesetzt werden.
Grundsätzlich nur Raupenfahrzeuge mit möglichst geringem Bodendruck einsetzen.
Die einzelnen Bodenschichten müssen beim Abtragen, Lagern und Wiederaufbringen stets sauber getrennt werden.
Wenn möglich, soll Boden direkt umgelagert werden, um eine Zwischenlagerung zu vermeiden.
Eingriffe in den Boden sollen möglichst gering gehalten werden.
Neu angelegte Böden sollen möglichst wenig befahren werden.
Nach Abschluss der Bodenarbeiten soll neu angelegter Boden möglichst rasch begrünt werden.
Bodenkundliche Baubegleitung:
Die bodenkundliche Baubegleitung (BBB) erstellt in der Planungsphase anhand der Bodenkartierung ein Bodenschutzkonzept über den Ausgangszustand des Bodens. Bei Baubeginn begleitet die BBB sämtliche Arbeitsschritte wie Bodenabtrag, Zwischenlagerung, Rekultivierung, Ansaat und Folgebewirtschaftung. Sie dokumentiert während der Bauphase die Arbeiten mit dem Boden und sie führt gemeinsam mit den zuständigen Personen die Abnahmen durch.
Informieren Sie sich:
Boden ist eine wertvolle und empfindliche Ressource, deren Bildung sehr lange dauert. Deshalb müssen bei Bodenarbeiten die wichtigen Themen des Bodenschutzes berücksichtigt werden, um Verdichtungen und dauerhafte Schäden zu vermeiden wie auch um die Bodenfunktionen langfristig zu erhalten.
Das ABC für Bodenarbeiten ist auf der Geschäftsstelle von Baustoff Kreislauf Schweiz erhältlich. Darin finden Sie die detaillierten Vorgehensweisen beim Umgang mit Boden. Das Büchlein ist in einem handlichen Format ideal zum Mitnehmen und Dabeihaben im Feld.
Das Team von Natur und Boden unterstützt seine Mitglieder bei der Planung und Umsetzung von Bodenarbeiten in Abbaustellen und Deponie: Frage zu Bodenarbeiten - bodenkundliche Baubegleitung