Kreislauf einer Kiesgrube

Kies und Sand gehören zu den wichtigsten Rohstoffen im Bauwesen. Doch der Abbau von diesen mineralischen Rohstoffen verändert die Landschaft – zumindest vorübergehend. Der Betrieb einer Abbaustelle folgt einem vorgegebenen und strukturierten Prozess mit dem Ziel, dass nach erfolgtem Abbau die Landschaft wieder hergestellt an die Grundeigentümer zurückgegeben wird. Dieser Ablauf gewährleistet eine schonungsvolle Nutzung der Ressourcen in allen Phasen des Abbaus, der Wiederauffüllung und der Endgestaltung. Von der Planungsphase bis zur Wiederherstellung können gut 40 oder mehr Jahre vergehen. Wir machen eine kleine Zeitreise in die Zukunft:

2026

Planungsphase und Bewilligung
Am Anfang eines Kiesgrubenprojekts steht eine intensive Planungsphase. Spezialisten der beauftragten Umweltingenieurfirma untersuchen das Gebiet geologisch, prüfen die Bodenqualität und analysieren das Gelände und die Umgebung nach Anforderungen des Umwelt-, Natur- und Grundwasserschutzes. Die Resultate dieser Untersuchungen sowie die nötigen Schutzmassnahmen halten sie in einem Umweltverträglichkeitsbericht fest. Auf Grundlage dieses Berichts prüfen die Kantonalen Fachstellen das Projekt. Sie erstellen eine Bewilligung mit Auflagen. All diese Unterlagen sind verbindlich für den Unternehmer wie auch für die Behörden. In den Bewilligungsunterlagen wird auch die Abbautiefe bestimmt. Denn über dem nutzbaren Grundwasser muss immer eine schützende Kiesschicht erhalten bleiben. Parallel zur Abbauplanung müssen die Unternehmen bereits Konzepte für die Wiederherstellung entwickeln und Aussagen über die zukünftigen Nutzungen der Fläche machen. Die Planungsphase kann bis zu 10 Jahre oder sogar länger dauern.

2036

Wertvollen Oberboden und Unterboden sichern
Gute 10 Jahre sind vergangen; der Abbau ist bewilligt. Im bewilligten Perimeter erfolgt der Abbau etappenweise. Doch bevor der Abbau von Kies und Sand beginnen kann, muss das Kiesabbauunternehmen den wertvollen Ober- und Unterboden sorgsam abtragen und vor Ort zwischenlagern. Der sachgerechte Umgang mit Boden ist wichtig, damit dieser wieder als Boden eingesetzt werden kann. Gesetz und Verordnungen regeln den Bodenschutz und eine brancheninterne Richtlinie konkretisiert das Vorgehen für die tägliche Arbeit in der Praxis. Aus den Grundlagendokumenten lassen sich unterschiedliche Bodentypen und -schichten identifizieren, was eine fachgerechte Lagerung und einen späteren Wiederaufbau des Bodens ermöglicht.

2036-2066

Abbauphase von Kies und Sand
Die eigentliche Abbauphase beginnt jetzt. Förderbänder, Dumper und Lastwagen transportieren das Rohmaterial ab der Kieswand ins Kieswerk. Dort wird der Kies mit Wasser gewaschen und nach Korngrössen sortiert. Ein grosser Teil des gewonnenen Kieses und Sandes gelangt später als Rohstoff in die Betonherstellung. Die grösseren Steine werden aussortiert, gebrochen und wiederum nach Grösse sortiert. Daraus wird Split und Brechsand, was grösstenteils zur Herstellung von Strassenbelag dient. Kies, Sand und Splitt finden auch in ungebundener Form Verwendung: etwa in Infrastrukturbauten, im Gartenbau oder für Spiel- und Sportplätze. Jede Etappe braucht vor Abbaubeginn eine Freigabe durch die zuständigen Behörden.

Die Kiesgrube wird wieder aufgefüllt
Der Abbau nutzt die Landschaft innerhalb des bewilligten Abbauperimeters nur vorübergehend. Sobald in der ersten Etappe der Kies abgebaut ist, beginnt meistens direkt die Phase der Wiederauffüllung. Somit wird meistens innerhalb des bewilligten Kiesabbaugebiet an einer Stelle Kies abgebaut, während gleich nebenan bereits wiederaufgefüllt wird. Entsprechend der Bewilligung werden Kiesgruben in fast allen Fällen mit sauberem Aushubmaterial aufgefüllt. Der Prozess der Wiederauffüllung erfolgt aufgrund des Grundwasser- und Umweltschutzes unter strenger Kontrolle. Schritt für Schritt gewinnt das Gelände durch die Wiederauffüllung seine ursprüngliche Form zurück.

Ausgleichsflächen und Biodiversitätsförderung während dem Abbau
Durch den Abbau von Kies verändert sich die Landschaft temporär und dabei entstehen wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Grosse Maschinen mit riesigen Schaufeln fahren vorbei, während in der Nähe Flussregenpfeifer, Uferschwalbe, Kreuzkröte oder Blauflügelige Sandschrecke ihren eigenen Interessen nachgehen. Die dynamischen Habitate für Pionierarten gestalten sich ähnlich wie der Lebensraum der Auenlandschaft. Solche Landschaften sind seit der Begradigung der Flüsse im Mittelland selten geworden. Wie in den Auen bilden sich in Abbaustellen Tümpel und es entstehen Ruderalflächen. Zudem erstellen und pflegen die Kiesabbauunternehmen maschinell Lebensräume. Diese Ersatzlebensräume sind für Pionierarten überlebenswichtig. Das Erschaffen von Ausgleichflächen und die Förderung der Biodiversität während der Abbauphase gehören heute auch in die Projektplanung einer Kiesabbaustelle.

Die Kiesgrube als Lernort
Die Kiesabbauunternehmen geben gerne Einblick in das Nebeneinander von industrieller Wertschöpfung und Naturgeschehen. Sie bieten Führungen an, erstellen Lehrpfade und Lernorte. Diese Angebote richten sich an Kinder genauso wie an Erwachsene. Neben den grossen Maschinen, welche für den Abbau von Kies oder die Wiederauffüllung genutzt werden, können ebenfalls die tierischen Bewohner und spezielle Pflanzen wie auch geologischen Eindrücke die Besuchergruppen in den Bann ziehen.

2066

Rekultivierung und Ökologischer Ausgleich
Nach gut 40 Jahren neigen sich die Aktivitäten des Abbaus dem Ende zu. Die Abbaustelle ist aufgefüllt und nun geht es an die Rohplanie, mit welcher das Terrain gemäss Planung gestaltet werden muss. Fachpersonen überprüfen, ob die Schütthöhen stimmen, und die zuständige Behörde nimmt die Arbeiten ab. Im bewilligten Endgestaltungsplan steht beschrieben, wie die Fläche für seine Folgenutzung gestaltet sein muss. Wird es eine ökologische Ausgleichsfläche oder eine Nutzfläche? Für Landwirtschafts- oder Waldflächen werden sorgfältig Unter- und Oberboden angelegt. Die Mächtigkeiten vom Bodenauftrag richten sich nach dem bewilligten Rekultivierungsziel. Ein frisch angelegter Boden wird zum Schutz der Bodenfruchtbarkeit am besten rasch begrünt.

2067 - 2071

Nachnutzung der Fläche
Die Rekultivierung des Bodens ist abgeschlossen. Für landwirtschaftliche Flächen gilt die nächsten vier Jahre eine bodenschonende und regenerierende Bewirtschaftung. In diesem Zeitraum steht nicht der Ertrag im Vordergrund sondern der Bodenschutz. Die Aufforstung einer Waldfläche nach der Rekultivierung geschieht gemäss einem Aufforstungskonzept. Besonders anspruchsvoll gestaltet sich die Pflege von ökologischen Ausgleichsflächen: Sie dauert so lange an, bis die Zielvegetation die Fläche besiedelt hat; das kann drei bis zehn Jahre dauern.

Nach Ablauf der Folgebewirtschaftung schliesst sich der Kreislauf: Die Kiesgrube lieferte über eine lange Zeit wichtige Rohstoffe, wird anschliessend mit sauberem Aushub aufgefüllt, rekultiviert und kann wieder landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich genutzt werden. Der ökologische Ausgleich bietet einen Mehrwert für die Förderung der Biodiversität.  

Planungsphase und Bewilligung. Hansueli Schärer
Wertvollen Oberboden und Unterboden sichern. Hansueli Schärer
Kieswand in der Abbauphase.
Die Kiesabbauunternehmen erstellen und pflegen maschinell Lebensräume.
Förderbänder für den Transport von der Kieswand zum Kieswerk.
Der Kies wird mit Wasser gewaschen und nach Korngrössen sortiert.
Kiesabbauunternehmen als Lernort.
Wie in den Auen bilden sich in Abbaustellen Tümpel und es entstehen Ruderalflächen.
Sobald in der ersten Etappe der Kies abgebaut ist, beginnt meistens direkt die nächste Phase: die Wiederauffüllung.
Die Abbaustelle ist aufgefüllt und die Rohplanie wird gemäss Endgestaltungsplan erstellt.
Die Rohplanie ist bereit für die Abnahme durch die zuständigen Behörden.
Für Landwirtschafts- oder Waldflächen werden sorgfältig Unter- und Oberboden angelegt. Die Mächtigkeiten vom Bodenauftrag richten sich nach dem bewilligten Rekultivierungsziel.
Die Landschaft ist wieder hergestellt und kann landwirtschaftlich genutzt werden.